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Der Schwarzspecht im Fokus

Aktualisiert: 7. Juni

Im Mai war ich wieder einmal für ein paar Tage im Burgenland, um die schönsten Bilder des Frühlings und vor allem der Jungvögel einzufangen. Der Monat Mai ist wie immer eine hervorragende Zeit, wenn viele Vögel mitten in der Brutphase sind oder die Jungvögel schon Ästlinge sind.

Ein Ästling ist ein junger Vogel, der noch nicht flügge ist, das Nest oder den Brutkasten aber schon verlassen hat. In dieser Zeit wird er noch von den Eltern gefüttert.

Ich habe mich in St. Andrä am Zicksee "eingenistet", wie immer ein idealer Ausgangspunkt für Vogelbeobachtungen, da hier und in der Umgebung zu dieser Jahreszeit immer viel los ist.

Schon am ersten Tag hörte ich den Schwarzspecht mehrmals am frühen Morgen in einer Baumgruppe rufen und ich sah ihn auch öfters an meinem Stellplatz vorbeifliegen.

Sofort machte ich mich mit meiner Kamera auf den Weg, konnte ihn aber im dichten Laub der Bäume nicht ausfindig machen.


Und so spielte er in den nächsten Tagen sein Spielchen mit mir. Immer wenn ich ihn hörte und versuchte ihn irgendwo in den Bäumen aufzuspüren, floh er bevor ich ihn überhaupt zu Gesicht bekam. Ich kam nie nah genug heran, um ihn überhaupt beobachten zu können.

Geduld war wie immer das Gebot der Stunde. Ich wusste inzwischen, dass er jeden Tag morgens zwischen 8 und 11 Uhr kommt, um in den alten Bäumen nach Insekten zu suchen. Irgendwann würde sich eine Gelegenheit ergeben, und so hielt ich natürlich in den nächsten Tagen Ausschau nach ihm.

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Und plötzlich saß er vor mir

Es war nun schon der dritte Tag. Heute Morgen hörte ich seinen Gesang ganz in der Nähe, und ich machte mich sofort wieder auf den Weg, wie schon die Tage zuvor.

Und plötzlich stand er vor mir auf einem Baumstamm, in voller Größe - ein wunderschöner männlicher Schwarzspecht 😍.


Ein paar Sekunden lang schaute er mich seltsam und wie versteinert an, und er muss wohl dasselbe von mir gedacht haben - "warum schaut der Typ mit der Kamera so seltsam".

Doch dann versuchte ich mich ihm vorsichtig und mit langsamen Schritten zu nähern, was mir sehr gut gelang. Er beobachtete mich immer noch misstrauisch.

"Jetzt wird er gleich abhauen", dachte ich, und das war's. Aber heute schien er gute Laune zu haben.

Als ob ich nicht da wäre, ging er seiner täglichen Arbeit nach und hämmerte auf die Rinde des Baumes ein, um an die Käfer, Larven oder Ameisen unter der Rinde zu gelangen. Borkenkäfer sind auch seine Lieblingsspeise.


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Hier kann man deutlich sehen, wie die Holzstücke mit dem kräftigen Werkzeug losgehämmert werden...

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...um dann die leckeren Insekten mit der seeehr langen Zunge rauszukitzeln und genüßlich zu verspeisen!!

Der Schwarzspecht ist mit Abstand der größte Specht und mit 40 - 45cm Körperlänge ungefähr so groß wie eine Krähe. Meine Bilder zeigen einen männlichen Specht, die rote Kappe zieht sich wie ein Scheitel über den ganzen Kopf. Beim Weibchen ist nur der Hinterkopf rot gefärbt, somit sind die beiden sehr einfach zu unterscheiden.


Über 10 Minuten hatte ich das Vergnügen, ihn bei der Nahrungssuche und beim Fressen beobachten zu können. Eine halbe Ewigkeit für den sonst so scheuen Schwarzspecht. Ich genoss den Augenblick sehr, denn diese Nähe hatte ich noch nie zuvor beim Schwarzspecht geschafft. Beinahe hätte ich dabei vor Aufregung aufs Fotografieren vergessen...😉



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Hier hat er mit seinem mächtigen Schnabel ganze Arbeit geleistet

Der Schwarzspecht bevorzugt alte Baumbestände, wobei hier die Holzart nicht so genau genommen wird, aber die Buche trotzdem Favorit ist. In Altholzbeständen wie z.B. 100-jährige Buchen, welche ein paar Meter astfrei sind und den nötigen Durchmesser haben, baut er liebend gern seine Brut- und Schlafhöhlen. Oft wird im Frühjahr vor lauter Baueifer von Männchen und Weibchen gemeinsam eine neue Bruthöhle gebaut und die alte nicht mehr bezogen. Davon wiederum profitieren andere Vögel wie die Dohlen, der Rauhfußkautz und viele andere Höhlenbrüter. Sie ersparen sich dadurch die mühsame Arbeit des Eigenbaus und adaptieren einfach die verlassenen Bruthöhlen, für die Aufzucht der eigenen Jungvögel. "Was nix kostet ist nix Wert" - stimmt in diesem Fall nicht 😊


Auch am nächsten Tag konnte ich ihn immer wieder mal hören den Schwarzspecht, aber doch ein gutes Stück entfernt. So schlendere ich mit meiner Kamera am späten Vormittag umher, den Feldstecher unterm Arm und beobachte alles rund um mich, auch die wunderschöne Gegend hier am Zicksee. Es ist ein Genuss um diese Jahreszeit. Das Austreiben des Weines ist schon weit fortgeschritten und alles Leben ist im Fluss.

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Während ich verträumt meines Weges gehe, nehme ich im dichten Blätterwerk der Bäume aus dem Augenwinkel eine Bewegung war. Ich entdecke einen Schwarzspecht Ästling. Ein Jungvogel, welcher wohl auf die elterliche Versorgung wartet. Ich setze mich langsam auf den Boden und beobachte den jungen Schwarzspecht eine ganze Weile. Es ist ein Weibchen, ekannbar an der kleinen roten Kappe am Hinterkopf.


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Die Chance, das einer der Altvögel in absehbarer Zeit hier auftaucht um die Fütterung des Jungvogels zu übernehmen, war mehr als gut und so beobachtete ich und hielt die Stellung. Und es dauerte auch nicht sehr lange. Innerhalb weniger Minuten trudelte Papa Schwarzspecht ein und begann mit der Fütterung des Jungvogels und ich hatte das Glück als Beobachter von den beiden geduldet zu werden. Nachfolgend noch ein paar Bilder dieses wunderbaren Erlebnisses.


Mit welcher Perfektion der Altspecht die Insekten aus dem Holz holt und sie dem Jungvogel übergibt, ist wirklich beeindruckend. Eine Lernstunde für den jungen Schwarzspecht und ein Geschenk fürs spätere Leben. Der Ästling lernt dabei ausführlichst das lebensnotwendige Handwerk, um später überleben zu können.

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Mehrmals fliegt der Altvogel weg, um Minuten später mit vollem Schnabel wieder zurückzukommen. Der Ästling freut sich sichtlich 😋

Die Eier werden vom Weibchen schon Ende März, Anfang April gelegt und die Jungvögel schlüpfen schon nach knapp zwei Wochen. Die Nestlingsdauer beträgt in der Regel 27 bis 28 Tage. Die Ästlinge werden teilweise noch 4-6 Wochen von den Eltern betreut, wobei Männchen und Weibchen sich dabei trennen und jeder seinen Jungvogel oder mehrere davon betreut, bis sie selbständig sind. Eine Zeit, wo die Eltern maßiv gefordert sind mit Nahrungssuche für die jungen Rabauken, was den Altvögeln in dieser Zeit alles abverlangt. Der Schwarzspecht ist zwar im Moment nicht gefährdet und trotzdem ist es äusserst wichtig, das alte Baumbestände auch in Zukunft erhalten bleiben. Nur so kann das Überleben der wunderschönen Vögel gewährleistet werden.

Mehr Bilder vom Schwarzspecht findest Du unter www.mh-photography.co.at/stockfotos-tierfotos

 

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